Montag, 20. Februar 2017

Verlage täuschen ihre Autoren

Verlage versuchen ihre Autoren gegen die Neuregelungen im Urheberrechtsgesetz zu mobilisieren, die Wissenschaft und Lehre den angemessenen Zugang zu Fachliteratur ermöglichen sollen:
Die "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" -  ein Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland, nämlich der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Leibniz-Gemeinschaft (LG), der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und des Wissenschaftsrats (WR) - hat den jüngst vorgelegten Referentenentwurf zu einem Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz ausdrücklich begrüßt, da dieses "einen angemessenen Interessenausgleich zwischen Urhebern und Wissenschaft" ermögliche, indem es eine" lückenlose Nutzungen für Unterricht, Wissenschaft und Gedächtnisinstitution" und "eine stichprobenbasierte Pauschalvergütung für die Nutzung" vorsehe. Auf die bürokratisch aufwändige Einzeldokumentation jeder Nutzung, wie sie zuletzt eingeführt werden sollte, soll also verzichtet werden.
 
Verlage machen nun dagegen Stimmung und sprechen u.a. von einer Enteignung von Urhebern, was letztlich aber Unsinn ist, da eine Vergütung ja durchaus vorgesehen ist.  Mit der irreführenden Initiative „Publikationsfreiheit für eine starke Bildungsrepublik“ werden die Rechte der Autoren wie auch Freiheit und Bildung unserer Gesellschaft für die Verlagsinteressen gekapert, indem Unterschriften gesammelt werden, die den Gesetzentwurf als Bedrohung der Freiheit des Publizierens und als gegen die Autoren gerichtet ablehnen. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade Wissenschaftsautoren, die in der regel nicht einen Cent von den Verlagsgewinnen sehen, haben großes Interesse an der Verbreitung ihrer Werke in der Wissenschaftscommunity, die durch das neue Gesetz eher gestärkt würde.
 
Ich habe außerdem auch einen Brief eines Verlags erhalten, der einen Verzicht auf die Nachzahlungsansprüche aus der VG-Wort verlangt. Sie bestehen, weil die VG-Wort lange Jahre unberechtigt die Verlage an den Ausschüttungen zu 50% beteiligt hat. Die Verlage wollen so berechtugte Rückzahlungsforderungen umgehen. Dabei geht es für den Einzelnen z.T. um Tausende von Euro, die man einfach so mit seiner Unterschrift aufgeben soll.  Wisssenschaftsautoren, die ja sehr oft überhaupt keine Zahlungen aus ihren Publikationen sehen und auch nicht besonders gut verdienen, haben Anspruch auf Urheberrechtsvergütungen, die über die VG-Wort ausgeschüttet werden. Die vertritt aber weniger die Interessen ihrer Autoren, als vielmehr die der Verlage.
 
Am besten nichts von dem unterschreiben... 

Links

 

Mittwoch, 15. Februar 2017

Jetzt in Public Domain: Die Olifanten des Met

Am 7.2.2017 hat das Metropolitan Museum in New York alle seine Bilder in Public Domain gestellt.
Beispielsweise sind nun auch Bilder der früh- und hochmittelalterlichen Olifanten frei online, die das Met besitzt (vergl. Träumende Wächter - Lärmende Pilger).

Olifant, wohl aus Süditalien, um 1200, Länge 43 cm
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)


Bruchstück eines Olifanten, Ägypten oder Palästina, 720-970 [14C], Höhe noch 19,7 cm
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)

Bruchstück eines Olifanten, Sizilien, 11./12. Jh., Höhe noch 22,2 cm
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)



Olifanten, Süditalien, 11./12. Jh., Länge 58,6 cm mit Behältnis des 16. Jh.
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)

Olifant, Amalfi in Süditalien, 13. Jh., Länge 43 cm
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)

Olifant, Süditalien, 12./13.  Jh., Länge 43.5 cm
(Foto: The Met [PD / CC 0 1.0] via The Met)

Sonntag, 12. Februar 2017

Die Maske fällt: Der kommerzielle Hintergrund von academia.edu

Es ist keine Überraschung, denn dass academia.edu kein gemeinnütziger Verein, sondern ein kommerzielles Unternehmen ist, war schon lange bekannt:
Mit der Einführung einer Premium-Version beginnt es nun, Geld aus den hochgeladenen Daten zu schlagen und verkauft eine Volltext-Suche, aber auch die Besucher-Daten. So kann man nun gegen Bezahlung die Namen seiner letzten Leser oder Zitate der eigenen Arbeiten erfahren. Ebenfalls in der Premium-Version ist die Möglichkeit zu "Sessions" enthalten, was im übrigen in der Frühzeit von academia schon einmal frei verfügbar war. Die Kritik richtet sich nun vor allem auch dagegen, dass die Ranking-Funktionen zur Schaffung einer Klassengesellschaft auf Academia.edu führen werde. "Are we supposed to somehow value that a full professor looked at our work over, say, an adjunct? The new feature is academic class politics to a new level--and it only promotes the further stratification of the academy." meint Sarah Bond in einem Beitrag auf Forbes. Hir würden zu viele Daten preis gegeben.
Im Frühjahr 2016 hat academia erstmals versucht, seine Nutzer zur Kasse zu bitten, indem man für eine höheres Ranking bezahlen konnte. Das wurde so sehr kritisiert, dass academia, die Idee schließlich verworfen hat. Jetzt versucht academia mit einem Premium-feature Informationen aus den Daten, die die Nutzer der Firma gespendet haben, direkt zu vermarkten.

Hier wird deutlich, wie wichtig es wäre, ein funktionierendes Portal zu haben, das von der akademischen Welt selbst getragen wird und vorrangig den Interessen der Wissenschaft und nicht des Datenhandels dient. Solche Dinge müssen die wissenschaftliche Community und ihre Forschungsförderungsorganisationen selbst erledigen.

Man muss jetzt sehen, welche Alternativen sich bieten. Es wird wohl eher nicht Research Gate sein, das ebenso kommerziell agiert. Es hat in den Naturwissenschaften einen hohen Stellenwert, war aber bisher bei den Geisteswissenschaften schon weniger populär, vielleicht auch wegen der unsinnigen, eher abstoßenden Ranking-Funktionen.
  • https://zenodo.org/ - auf den ersten Blick unüberischtlich, bietet aber für die hochgeladenen Dokumente bessere Exportfunktionen in Literaturverwaltungen als academia. Auch gibt es eine option der Rechteverwaltung, wobei die CC-Lizenzen eine zentrale Rolle spielen. Es scheint aber nicht möglich, Dokumente ohne eigentliche Datei anzulegen, die damit wenigstens die Literaturreferenz zur Verfügung stellen könnten.
  • http://www.scientilla.org/ - open source

Freitag, 10. Februar 2017

Die frühe spanische Kolonisation - eine globale Perspektive



Sandra Montón-Subías/ María Cruz Berrocal/ Apen Ruiz Martínez (Hrsg.)

Archaeologies of Early Modern Spanish Colonialism

Contributions to Global Historical Archaeology

(Cham, Heidelberg: Springer 2016)

ISBN 978-3-319-21884-7
106,99€


Die spanische Kolonisation der Neuen Welt war ein entscheidender Schritt hin auf unsere moderne Welt der Gegenwart.

12 Beiträge liefern in drei Kapiteln Fallstudien zu spezifischen Fragen der spanischen Kolonisation des 15. bis 17. Jahrhunderts in Amerika, Afrika und dem Pazifik. Damit stellt sich die Frage, wie ein komparatistischer Ansatz umzusetzen ist. Das erste einleitende Kapitel greift diese grundlegende Frage auf. Die drei Herausgeberinnen betonen, dass es in der spanisch-sprachigen Archäologie erst in den letzten Jahren zu einer Auseinandersetzung mit der 'historical archaeology' gekommen sei. Ziel des Buches sei es, durch eine globale vergleichende Perspektive gerade auch "bislang (un)beachtete Peripherien (abgelegene Fallstudien, Regionen, methodische Ansätze und Forschungstraditionen außerhalb der dominierenden Forschungszentren) zu integrieren. So ging es darum, jenseits der transatantischen Verbindungen auch bislang wenig beachtete Regionen in Afrika und im asiatischen Pazifikraum in die Diskussion einzubringen und so den globalen Charakter der spanischen Kolonisation deutlich zu machen. Dementsprechend stammen die meisten Fallstudien nicht aus den Kernbereichen des spanischen Kolonialreichs in Mittel- und Südamerika. Die Berücksichtigung dieser peripheren Beispiele ermögliche ein höheres Niveau an Erkenntnis und Verstehens des gesamten Prozesses (S. 4).
Obgleich der einführende Beitrag den komparatistischen Ansatz nicht genauer erklärt, nennt er einige methodisch bedeutende Punkte, teils allgemeiner, teils konkreter, auf die spanische Kolonissation bezogener Art.  
Als besondere Schwierigkeiten des Vergleichs wird die Notwendigkeit benannt, die lokale, regionale und globale Ebene gleichermaßen zu berücksichtigen. Gängige Narrative der Kolonialgeschichte beachten deren materiellen Aspekte nur in geringem Maße. Zudem seien die konkreten sozioökonomischen Ausgangsbedingungen der kolonisierten Gebiete sehr unterschiedlich, da sie sowohl einfache Fischergemeinschaften als auch hochkomplexe Staatsgebilde umfassen.
Deshalb verfolgen die herausgeber einen Vergleich unter den verschiedenen Aspekten der  Strategien und Taktiken kolonialer Interventionen, ihrer Veränderungen in der Zeit, des lokalen Handelns und der langfristigen Entwicklungen. Daraus ergeben sich für den komparatistischen Ansatz wenigstens ein paar Richtlinien.  Die Herausgeberinnen verweisen darauf, dass materielle Kultur hier nicht per se, sondern in ihren verschiedenen kulturellen Gebrauchskontexten betrachtet werden muss. Sie verweisen dabei auf die Bedeutung einer Haushalts-Perspektive, die globale und lokale Prozesse durch alltäglichen Konsum und Wissenstransfer mit einander verknüpfen könne. "When the local is explored in all its dimensions, global comparisons are enriched and codetermination between the different scales is better understood."

Europäische Kolonisation und materielle Kultur sind aber keineswegs immer eng miteinander verbunden. So findet sich im pazifischen Raum nur ein geringer Teil spanischer Sachkultur. In Äquatorial-Guinea hingegen haben europäische Güter die einheimischen Objekte weitgehend ersetzt, was Archäologen zu dem Fehlschluß verleiten könnte, dass dort Europäische Siedler ansässig waren.

Es folgen die Fallstudien in geographischer Anordnung, von Amerika über die spanischen Besitzungen in Afrika bis zu jenen im Pazifikraum. Sie behandeln höchst unterschiedliche Gemeinschaften: ein Jesuitenkonvent ebenso wie Fischerdörfer oder Städte.

Nur ein Beitrag sei hier exemplarisch herausgegriffen, der mir  persönlich deshalb aufgefallen ist, weil er für meine eigenen Forschungen unmittelbar relevant ist. Der Beitrag von Monika Therrien zu Kolumbien (S. 11 ff.) skizziert die problematische Forschungssituation der Historischen Archäologie in Lateinamerika: Während einerseits die präcolumbische Vergangenheit und andererseits die rezenten indigenen Stämme relativ viel wissenschaftliche Aufmerksamkeit gefunden haben, fehlte lange Zeit eine historische Archäologie, die sich mit der Kolonialzeit befasst hätte. Für die Kulturkontakte greifen die meisten Studien auf Keramikfunde zurück - gerade so, wie ich das für Panama auch getan habe. Dabei zeigte sich auch in Panama, dass sehr häufig kolonialzeitliche indigene Fundstellen übersehen und präcolumbisch datiert wurden. Therrien beklagt die starre Trennung zwischen präcolumbischer und historischer Archäologie, die dazu führe, dass wir nur ein begrenztes Verständnis davon haben, wie Kulturkontakte erfahren wurden und in den unterschiedlichen Kontexten praktisch gelebt wurde. So fällt es auch in Kolumbien bisher schwer, die kolonialzeitliche Sachkultur der dort ansässigen Muisca-Indianer zu bestimmen. In einem Forschungsprogramm wurden daher sowohl kolonialzeitliche Indiosiedlungen und insbesondere deren Keramikproduktion als auch eine spanische Ansiedlung untersucht. Während in den Indio-Siedlungen die präcolumbischen Traditionen in der Keramik bis ins 18. Jahrhundert ungebrochen durchlaufen, entsteht in der spanischen Siedlung eine Keramik, die europäische und indigene Traditionen mischt. Insgesamt erweisen sich die Brüche für die Indios als weniger stark als in der Forschung bislang angenommen. Organisiert in neuen Siedlungen blieben viele Traditionen und Netzwerke vorerst bestehen.
Ein Programm zur historischen Archäologie in Bogotá untersucht deshalb die Art der Urbanisierung und des Alltags. "Contact spaces" und "common practice" sind zwei Begriffe, die dazu dienen sollen, den klassischen, von Gesetzen und Anordnungen der spanischen Krone bestimmten Blickwinkel aufzubrechen und einen stärker auf den Alltag orientierten Blick gegenüber zu stellen. Therrien ordnet diesen Ansatz in die "grounded theory" ein, einem Ansatz, der als "quellebasierte Theoriebildung" ins Deutsche übersetzt werden könnte. "Grounded Theory" stammt aus der Soziologie und  möchte soziale Phänomene sichtbar machen und soziale Prozesse erklären. Sie bedient sich dazu einer pragmatischen Handlungstheorie und durchläuft wiederholt Datenerhebung, - analyse und - interpretation. 
Mit diesem theoretischen Anspruch beleuchtet Therrien sodann die Gestaltung des städtischen Raumes wie die Handwerksproduktion, wobei die Keramik im Mittelpukt steht. Am Beispiel von Bogotá schildert sie die Entwicklung von Stadt und Keramikproduktion. Sie kommt zu dem wenig überraschenden Schluss, dass in Bogotá  Keramik bei der Darstellung von Wohlstand und Einfluß nur eine untergeordnete Rolle spielte, dass es vielmehr der öffentliche Raum - wie zum Beispiel die öffentlichen Brunnen -,  die Küchentische und Tafeln der privaten Haushalte, die Werkstätten und Läden sind, in denen Verhaltensweisen, Moden und  Ansichten ausgetauscht und populär wurden.
In der Entwicklung der historischen Archäologie beobachtet Therrien, dass Fragen von "discourse and domination", von "practice and resistance" durch solche nach sozialen Trennungslinien abgelöstt worden seien, die mit Themen wie 'gender' oder 'Identität' einhergehen. Zwischenzeitlich sei aber eine Hinwendung zu einem Verständnis Verstehen komplexer sozialer Dynamiken zu beobachten. Im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft ("crossculturalscenario") seien  Alltagshandlungen und agency grundlegend für die Konstruktion und Aushandlung von Bedeutungen.


Die sehr heterogenen Beispiele werden leider nicht in einer Synthese zusammengeführt. Sie wäre wichtig gewesen im Hinblick auf die eingangs formulierte methodische Frage des komparatistischen Ansatzes. Was lernen wir denn nun in der Zusammenschau über die Globalisierung? Dass sie in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich verläuft - auch unter einer gemeinsamen politischen Vormacht? Ein weiterer Ansatz für eine Synthese wäre auch die Tatsache gewesen, dass die spanische Kolonialvergangenheit  für viele Staaten und Individuen bis heute von großer Bedeutung ist. Wie geht man in den verschiedenen Regionen mit diesem - häufig ja nicht unproblematischen Erbe - heute um? Zwar werden einige dieser Aspekte in der Einführung angesprochen, aber das Potential der Fallstudien scheint ohne Synthese am Ende nicht ausreichend genutzt. So bleibt leider unklar, wie ein komparatistischer Ansatz tatsächlich wissenschaftlich fruchtbar gemacht werden kann. Genaus dies ist aber das Spannende an dem Band, das ihn auch über die Expertenkreise für die angesprochenen abgelegenen Regionen interessant macht.




Inhaltsverzeichnis
  • Montón-Subías, Sandra (et al.): Towards a Comparative Approach to Archaeologies of Early Modern Spanish Colonialism, S. 1-8
Part I - Amerika
  • Therrien, Monika: Displacing Dominant Meanings in the Archaeology of Urban Policies and Emergence of Santafé de Bogotá (Colombia), S. 11-38
  • Rodríguez-Alegría, Enrique: The Material Worlds of Colonizers in New Spain, S. 39-59
  • Tarble de Scaramelli, Kay: Historical Archaeology and the Politics of Empowerment in Venezuela, S. 61-91
  • Azkarate, Agustín (et al.): Thoughts on Early Spanish Colonialism Through Two American Case Studies: Basque Fisheries (Canada) and Sancti Spiritus Settlement (Argentina), S. 93-115 
Part II- Afrika
  • Onrubia Pintado, Jorge (et al.): The Archaeology of the Early Castilian Colonialism in Atlantic Africa. The Canary Islands and Western Barbary (1478–1526), S. 119-151
  • Fernández, Victor M.: The Jesuit Mission to Ethiopia (1557–1632) and the Origins of Gondärine Architecture (Seventeenth–Eighteenth Centuries), S. 153-173
  • González-Ruibal, Alfredo (et al.): Colonial Encounters in Spanish Equatorial Africa (Eighteenth–Twentieth Centuries), S. 175-202
Part III- Pazfik
  • Flexner, James (et al.): Beginning Historical Archaeology in Vanuatu: Recent Projects on the Archaeology of Spanish, French, and Anglophone Colonialism, S. 205-227
  • Bayman, James M. (et al.): Spanish Colonial History and Archaeology in the Mariana Islands: Echoes from the Western Pacific, S. 229-252
  • Gibbs, Martin: The Failed Sixteenth Century Spanish Colonizing Expeditions to the Solomon Islands, Southwest Pacific: The Archaeologies of Settlement Process and Indigenous Agency, S. 253-279
  • Cruz Berrocal, María: Ilha Formosa, Seventeenth Century: Archaeology in Small Islands, History of Global Processes, S. 281-302

Ein Einblick in die Balkanroute des Kunstschmuggels: Objekte aus Raubgrabungen und Fälschungen in Ungarn sichergestellt

Beitrag von László Matthias Simon
Wie jetzt bekannt gegeben wurde, hat die Ungarische Polizei bereits im September 2016 im Komitat Bács-Kiskun bislang unbekannte vorderasiatische Kunstgegenstände im Wert von 160-200 Millionen Forint (520.000 – 650.000€) sichergestellt. Die Objekte fanden sich in einem LKW, der auf dem Weg von der Türkei nach Polen war.

Die ersten Objekte waren unter dem Fahrersitz verstaut, was zu einer umfangreichen Untersuchung des Fahrzeugs führte, bei der 101 Objekte sichergestellt werden konnten. Der 50 jährige Fahrer türkischer Herkunft wurde verhaftet. Die Befragung ergab, dass der Fahrer die Objekte in Istanbul übernommen hat, um sie gegen eine Bezahlung von 300€ in Polen abzuliefern.
Die Untersuchung der Objekte ergab, dass die mesopotamischen, urartäischen, und persischen Artefakte keiner registrierten Museums- oder Privatsammlung gehören. Es wird vermutet, dass es sich bei den urartäischen Stücken um Objekte aus einer einzigen Raubgrabung handelt, vielleicht aus einem Grab. Hierfür sprechen auch die homogenen Erdablagerungen auf den Objekten, so die ungarischen Behörden. Unter den Objekten fanden sich nach Angaben der Polizei auch zahlrieche Fälschungen von Rollsiegeln, Steingefäßen und Statuen. Begutachtet wurden die Stücke vom Historiker und Assyriologen Dr. Tamás Dezső von der Eötvös Lóránd Universität Budapest.