Montag, 29. August 2016

Zerstörungen am Tempel von Mayonikha

Anfang Juli gab es erste Meldungen über religiös begründete Zerstörungen an dem Tempel von Mayonikha in San Bartolo Tutotepec im Bundesstaat Hidalgo in Zentralmexiko. Dier Zerstörungen lagen damals schon Monate zurück, waren aber nicht den Behörden gemeldet worden. Der Tempel wird bis heute von der einheimischen Bevölkerung als Kultstätte genutzt.
In den ersten Berichten war die Rede davon, Jehovas Zeugen seien für die Zerstörungen verantwortlich, "weil die dort praktizierten Riten nicht ihren christlichen Vorstellungen entsprochen haben". An den Zerstörungen waren jedoch Personen beteiligt, die früher aber selbst an den indigenen Praktiken teilgenommen hätten. Sie seien, nun aber zu einer christlichen Sekte - einer "Splittergruppe der katholischen Kirche", die eine ähnliche Bezeichnung nutze wie Jehovas Zeugen - übergetreten. Hinter dem vermeintlich religiösen Konflikt könnten also auch eher persönliche Motive eine Rolle spielen. Die indigene Gemeinschaft der Otomi will den Fall ohne staatliche Autoritäten klären. Die Anlage war auf ihren Wunsch nicht im offiziellen Denkmälerverzeichnis enthalten.
In diesem Kontext macht ein Artikel auf das Konfliktpotential aufmerksam, das im derzeitigen Vordringen Evangelikaler Gruppen in Mexiko und Guatemala liegt.

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Freitag, 26. August 2016

Größere Aufmerksamkeit für das Verbrechen der Kulturgutzerstörung

Der Prozess vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag um Zerstörungen von Weltkulturerbe in Timbuktu (Ein Prozess ums Erbe - vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Archaeologik 18.8.2016) zeitigt weiteres Medienecho.
ICC - Internationaler Strafgerichtshof
Der angeklagte Ahmad al-Faqi al-Mahdi, ein Lehrer und Intellektueller aus der Region wurde unter der Herrschaft der islamistischen Milizen Ansar Dine und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM) Chef der örtlichen Moralpolizei. Bei der Freitagspredigt hat er zur Zerstörung der Kultbauten der alten islamischen Glaubensrichtung aufgerufen und anschließend bei 5 Stätten aktiv an der Zerstörung beteiligt. Insgesamt hatten die Islamisten neun Mausoleen und das Tor zur großen Sidi Yahia-Moschee in Timbukto zerstört, darunter neun Weltkulturerbestätten der Unesco. Auch wenn damit keine Menschen verletzt wurden, hätten die Islamisten damit den Menschen psychischen und seelischen Schaden zugefügt, so die Anklage.
Die Urteilsverkündung ist für den 27. September angekündigt, nachdem al-Mahdi ein Geständnis abgelegt hat.


Einige der aktuellen Beiträge weißen auf die Problematik hin, dass zugunsten des exemplarischen Prozesses gegen Kulturgutzerstörung, Anklagen wegen anderer Kriegsverbrechen, wie zum Beispiel Vergewaltigungen, z.T. gegen dieselben Akteure zurück gestellt wurden". Laut Chefanklägerin solle dies deutlich machen, dass die Zerstörung von Kulturerbe "ein Anschlag auf Würde und Identität der Bevölkerung und ihre religiösen und historischen Wurzeln" sei. Tatsächlich geht es Terroristen und Kriegsparteien bei der Kulturgutvernichtung nie um Objekte, sondern um Menschen, die nicht  nur als Individuum, sondern auch als Gemeinschaft getroffen oder vernichtet werden sollen.

Ich bezweifle allerdings, dass man die Akzeptanz des Kulturgutschutzes stärkt, wenn man für solch einen Prozess die Verhandlung von Vergewaltigungen zurück stellt. - da kommen wir wieder auf das Gegeneinander-Ausspielen von Sachen und Menschen. Dass Kulturgüterzerstörung eigentlich ein Teil dieser menschenverachtenden Verbrechen ist, wird so wohl nicht vermittelt. 

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Dienstag, 23. August 2016

Serbischer Staatspräsident Nikolić wirft dem Kosovo Vernachlässigung serbisch-byzantinischen Kulturerbes vor

Bei der Eröffnung des 23. Byzantinistenkongresses in Belgrad hat Tomislav Nikolić am 22.8.2016 im Heroensaal der Philologischen Fakultät die Bedeutung des byzantinischen Kulturerbes für die serbische Identität betont.
Der serbische Präsident Tomislav Nikolić bei seiner
Eröffnungsrede zum 23. Byzantinistenkongress am 22.8.2016
in Belgrad.
Wie sehr diese byzantinische Identität mit der serbischen Gegenwart und aktueller Politik verwoben ist, zeigte die Rede des Präsidenten, der sich darin vor allem gegen eine Aufnahme des Kosovo in die UNESCO aussprach und dem Kosovo Aneignung und Zerstörung des bedrohten serbisch-byzantinischen Kulturerbe vorwarf.
"Nicht immer sieht die Menschheit eine Entwicklung zum Besseren: So der Versuch der einseitig erklärten "Republik Kosovo", der UNESCO beizutreten, serbisches Kulturerbe in Kosovo und Metochien, das überwiegend aus dem Mittelalter, aus dem byzantinischen Erbe des serbischen Volkes stammt, einem Volk zuzuschreiben, dem es nicht gehört - entgegen der historischen Fakten und den Kulturdenkmälern - und - noch schädlicher - den Schutz dieses Erbes denen zu übertragen, die dieses für Jahrzehnte andauernd zerstört und entweiht haben. Nach dem Bericht der UNESCO stehen vier serbische Klöster in Kosovo und Metochien, die in byzantinische Zeit zurückreichen, auf der Liste des gefährdeten Weltkulturerbes: Sie werden von jenen bedroht, die sich erhoffen, zu ihren Hütern bestellt zu werden."
(Übersetzung des engl. Text, der im Publikum verteilt wurde. Die auszughaften Übersetzungen in den englischsprachigen serbischen Medien präsentieren teilweise noch pointiertere Aussagen).
Englisch: "...humanity does not always witness changes for better. Such is the attempt of the unilaterally declared "Republic of Kosovo" to join UNESCO, and to ascribe the Serbian heritage in Kosovo and Metohija, largely originating from the Middle Ages, from the Byzantine heritage of the Serbian people, to the people which ist does not belong to [b92 übersetzt: "to a nation that does not exist"], despite all the scientific facts and the tangible cultural heritage, and, even more detrimentally, to entrust the safeguarding of the sanctities to those who have been destroying and desecrating them continuously, for decades. According to very UNESCO's report, four Serbian monasteries in Kosovo and Metohija, dating back to the Byzantine period, are incribed on the List of World Heritage in Danger. They are threatened by those aspiring to be their custodians!"
Angesicht des aktuell laufenden Prozesses in den Haag, der Kulturgutvernichtung als Kriegsverbrechen verfolgt, sind die Vorwürfe des serbischen Präsidenten eine klare politische Botschaft. 
Nikolić betonte den Vertretungsanspruch Serbiens für sein byzantinisches Kulturerbe im Kosovo, da dieses nicht einer Nation gehöre, sondern europäisches und Welt-Kulturerbe sei. ("Not only Serbian, but also European culture and the memory of the world are being preserved in Kosovo, including an important part of the mankind's Byzantine heritage. This means, inter alia, that Serbia has the right, as a full member of UNESCO, to preserve its heritage, created according to the Byzantine model and its fundamental principles"). Gegenüber der Presse erläuterte der Präsident, dass Serbien sich gegenüber Brüssel verpflichtet hätte, die regionale Integration des Kosovo nicht zu behindern, aber eben auch nicht mehr. Serbien würde weiterhin rechtmäßig gegen die Aufnahme des Kosovo in internationale Organisationen vorgehen.
"Wir erleben vielfältige Angriffe auf die Grundlagen der Bewahrung einer byzantinischen und christlichen Identität, die wichtige kulturelle Werte des Mittelmeerraums und des Mittleren Osten umfasst. (We are witnessing manifold attacks targeting the very foundations of the Byzantine and Christian identity's preservation, including some of the major cultural values of the Mediterranean and the Middle East.")
Der Präsident rief die Wissenschaftler auf, den Gefährdungen des serbisch-byzantinischen Erbes im Kosovo durch "Versuche der Fälschung historischer Fakten" und physische Zerstörung zu begegnen. An den Kongress formulierte er die Erwartung, dass er die entscheidenden Fragen formuliere und die Probleme hervorhebe, die sich aus der Sorge um das gefährdete byzantinische Erbe ergeben.
Dem Institut für Byzantinistik an der Serbischen Akademie der Wissenschaften verlieh er den Serbischen Verdienstorden 2. Grades für die außerordentlichen Verdienste um die Förderung des byzantinischen Kulturerbes in Serbien und seinen Beitrag für Byzanzstudien weltweit.


Archäologie und Geschichte sind eben auch Teil der Politik und nationaler Interessen!


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Montag, 22. August 2016

Die Böblinger Pirschgänge - für den Bund nur "Kulturmüll"

Südwestlich von Böblingen liegen im Wald die Böblinger Pirschgänge, ein Denkmal höfischer Jagdkultur, für die es deutschlandweit Vergleichbares nur noch bei Jena und Ilmenau gibt. Sie wurden 1736/37 vom württembergischen Herzog Carl Alexander erbaut. Heute gehört das Gelände als Militärgelände der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten. Nur mit Anmeldung und Führer kann das Gelände besichtigt werden.
Die Gänge stürzen ein, notdürftige Stützen sind längst verrottet. Im aktuellen Heft der Schwäbischen Heimat wirft der Schwäbische Heimatbund dem Bund eine Verzögerungstatktik vor und weisst auf die Erhaltungspflicht hin. "Würden die Pirschgänge auf Privatgrund oder dem Boden einer Kommune liegen, wären schon längst behördliche Auflagen zumindest zur Sicherung des Bestandes, wahrscheinlich auch zur Renovierung noch erkennbarer Reste ergangen! Vielleicht hätte der Eigentümer sogar schon Bußgeldbescheide erhalten."

Literatur:

  • J. Wilhelm: Die Pirschgänge im Böblinger Stadtwald. Ein Denkmal landesherrlicher Jagdkultur. Denkmalpflege in Baden-Württemberg 17/3, 1988, 134-137 -  DOI: http://dx.doi.org/10.11588/nbdpfbw.1988.3.13832 
  • D. Kapff / R. Wolf: Steinkreuze, Grenzsteine, Wegweiser... Kleindenkmale in Baden-Württemberg (Stuttgart: Theiss 2000) S. 51-54


Freitag, 19. August 2016

Raubgräber pflügen mittelalterliche Siedlung um

Am 4. August 2016 hat die Polizei in Bulgarien fünf Raubgräber verhaftet, die mitten am Tag mit einem Tiefpflug eine spätantike und mittelalterliche Siedlung bei Petărnița in Nordbulgarien umpflügten. Die fünf Männer im Alter von 35 bis 58 stammen aus der weiteren Region. In ihrem Auto wurden zahlreiche Funde sichergestellt, Vier Metalldetektoren wurden beschlagnahmt.